Finanzbildung· Lernpfad Basis · Lektion 13 ·14 Min. · Stand:
Dein erstes Investment: Schritt für Schritt
Wie du in wenigen Minuten ein Depot eröffnest, Geld einzahlst und deine erste Order aufgibst, mit konkreten ETF-Beispielen und Gebühren.

Das lernst du hier
- Du weißt, wie du bei einem Neo-Broker in wenigen Minuten ein Depot eröffnest.
- Du kannst eine Wertpapier-Order Schritt für Schritt eingeben.
- Du kennst konkrete ETF-Beispiele und worauf du bei Order und Gebühren achtest.
Hilfreich vorab: Depot und Broker: Kriterien statt Hype
Anna hat den gesamten Basis-Pfad durchgearbeitet. Sie versteht ETFs, Sparpläne, Steuern und Risiken. Theoretisch ist sie bereit. Trotzdem zögert sie vor dem letzten Schritt: dem ersten echten Kauf. Es fühlt sich groß an, fast feierlich, und genau deshalb schiebt sie es auf.
Dieses Praxis-Special macht den Schritt klein. Es zeigt dir ganz konkret, wie du ein Depot eröffnest, Geld einzahlst und deine erste Order aufgibst. Du wirst sehen: Der technische Teil dauert nur Minuten und ist einfacher als eine Steuererklärung.
Ein wichtiger Hinweis vorweg, der für diese ganze Lektion gilt: Keiner der genannten ETFs ist eine Anlageempfehlung oder Investmentberatung. Sie dienen ausschließlich als Beispiele für beliebte, breit gestreute Anlageprodukte, mit denen man starten kann, wenn sie zur persönlichen Risikoneigung und zu den eigenen Anlagekenntnissen passen. Ob ein Produkt für dich geeignet ist, kannst nur du selbst entscheiden, im Zweifel mit Unterstützung einer unabhängigen Beratung. Auch die genannten Broker sind nur Beispiele, keine Empfehlung. Alle Angaben haben den Stand Juni 2026. Fondsdaten, Kosten und Brokerkonditionen ändern sich, prüfe sie vor einem Kauf am aktuellen Factsheet und Preisverzeichnis.
Schritt 1: In wenigen Minuten zum Depot
Ein Depot eröffnest du heute komplett online, oft direkt in der App eines Neo-Brokers, also eines schlanken App-Brokers. Der Ablauf ist überall ähnlich: App herunterladen, E-Mail und Telefonnummer angeben, persönliche Daten und Steuer-ID eintragen.
Dann kommt die Legitimation, also der gesetzlich vorgeschriebene Identitätsnachweis. Sie läuft meist per Video-Ident, bei dem du deinen Ausweis in die Kamera hältst und ein paar Fragen beantwortest, oder per eID, also der Online-Funktion des Personalausweises mit der zugehörigen PIN. Beides dauert nur wenige Minuten. Danach ist dein Depot eröffnet, häufig sofort, manchmal nach kurzer Prüfung am nächsten Tag.
Gleich bei der Eröffnung kannst du zwei Dinge miterledigen, die du aus den vorigen Lektionen kennst: einen Freistellungsauftrag einrichten, damit dein Sparer-Pauschbetrag genutzt wird, und prüfen, dass ein deutscher Anbieter die Steuer automatisch abführt.
Schritt 2: Geld einzahlen
Damit du kaufen kannst, muss Geld auf dem Verrechnungskonto liegen, dem Geldkonto, das zu deinem Depot gehört. Du überweist es per normaler SEPA-Überweisung von deinem Girokonto, bei vielen Anbietern geht auch eine Echtzeitüberweisung, die in Sekunden ankommt.
Für den ersten Versuch musst du nicht groß denken. Ein Betrag von 250 bis 500 Euro in einer einzigen Order reicht völlig, um den Ablauf einmal real zu erleben, ohne dass viel auf dem Spiel steht. Es geht hier ums Ausprobieren, nicht um die perfekte Summe.
Schritt 3: Dein erstes Investment auswählen
Jetzt brauchst du ein konkretes Wertpapier. Jeder ETF hat zwei eindeutige Kennungen, mit denen du ihn sicher findest: die ISIN, eine zwölfstellige internationale Kennnummer, und die WKN, eine sechsstellige deutsche Wertpapierkennnummer. Mit ihnen erwischst du garantiert das richtige Produkt, auch wenn die Namen ähnlich klingen.
Zur Orientierung hier acht gängige, breit gestreute ETFs, jeweils in einer ausschüttenden und einer thesaurierenden Variante. Diese Beispiele sind keine Empfehlung und keine Anlageberatung, sie zeigen nur beliebte Produkte, an denen sich der Ablauf gut erklären lässt. Ob eines davon zu dir passt, hängt von deiner Risikoneigung und deinem Wissensstand ab. Ausschüttend bedeutet, Dividenden landen auf deinem Konto; thesaurierend bedeutet, sie werden automatisch wieder angelegt. Beide Varianten bilden denselben Index ab und tragen dasselbe Marktrisiko.
| Region (Index) | Variante | ETF (Anbieter) | ISIN | WKN | TER |
|---|---|---|---|---|---|
| Welt, Industrieländer (MSCI World) | ausschüttend | iShares MSCI World (Dist) | IE00B0M62Q58 | A0HGV0 | 0,50 % |
| Welt, Industrieländer (MSCI World) | thesaurierend | iShares Core MSCI World (Acc) | IE00B4L5Y983 | A0RPWH | 0,20 % |
| USA (S&P 500) | ausschüttend | Vanguard S&P 500 (Dist) | IE00B3XXRP09 | A1JX53 | 0,07 % |
| USA (S&P 500) | thesaurierend | Vanguard S&P 500 (Acc) | IE00BFMXXD54 | A2PFN2 | 0,07 % |
| Europa (STOXX Europe 600) | ausschüttend | iShares STOXX Europe 600 (Dist) | DE0002635307 | 263530 | 0,20 % |
| Europa (STOXX Europe 600) | thesaurierend | iShares STOXX Europe 600 (Acc) | DE000A2QP4B6 | A2QP4B | 0,20 % |
| Deutschland (DAX) | ausschüttend | Deka DAX (ausschüttend) | DE000ETFL060 | ETFL06 | 0,15 % |
| Deutschland (DAX) | thesaurierend | iShares Core DAX (Acc) | DE0005933931 | 593393 | 0,16 % |
Ein kurzes Profil zu jeder Region. Der MSCI World umfasst rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern und ist der klassische breite Weltbaustein; die ausschüttende iShares-Variante ist älter und mit 0,50 Prozent teurer als die Core-Variante mit 0,20 Prozent (Produktseiten: iShares MSCI World Dist und iShares Core MSCI World Acc). Der S&P 500 bündelt die 500 großen US-Unternehmen, ist sehr günstig und liquide, deckt aber nur die USA ab, ein Welt-ETF streut breiter (Vanguard S&P 500 Dist und Vanguard S&P 500 Acc). Der STOXX Europe 600 enthält 600 große europäische Unternehmen (iShares Dist und iShares Acc). Der DAX steht für die 40 größten deutschen Unternehmen; weil er ein Performance-Index ist, in dem Dividenden rechnerisch schon enthalten sind, sind die meisten DAX-ETFs thesaurierend (Deka DAX ausschüttend und iShares Core DAX).
Wenn du dich nicht entscheiden kannst
Vielleicht überfordert dich die Auswahl, und du willst einfach nur anfangen. Ein breit gestreuter, sehr günstiger und liquider ETF ist ein verbreiteter, einfacher Startpunkt, den viele Einsteiger wählen, zum Beispiel ein S&P 500 in der ausschüttenden Vanguard-Variante. Das ist ausdrücklich keine Empfehlung und keine Anlageberatung, sondern eine Orientierung für den Fall, dass dich die Entscheidung sonst lähmt, und sie gilt nur, wenn so ein Produkt zu deiner Risikoneigung passt. Ehrlich bleibt dabei: Der S&P 500 deckt nur die USA ab. Ein Welt-ETF wie der MSCI World oder ein All-World streut über mehr Länder und ist als alleiniger Baustein breiter aufgestellt.
Ein praktischer Tipp zum Zeitpunkt: ETFs auf US-Aktien wie den S&P 500 kaufst du am besten zwischen 15:30 und 22:00 Uhr. Dann sind die US-Börsen geöffnet, Market Maker können enger handeln, und die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs, der Spread, ist meist kleiner. Bei europäischen und deutschen ETFs gilt das Gleiche für die Xetra-Handelszeiten, also etwa 9:00 bis 17:30 Uhr. Vermeide die ersten und letzten Minuten des Handelstages, dort sind die Spreads oft am größten.
Schritt 4: So gibst du die Order ein
Jetzt der eigentliche Kauf. Der Ablauf ist bei den meisten Brokern gleich:
- Suchen: Gib die ISIN oder WKN in die Suche ein und wähle den ETF aus.
- Kaufen wählen: Tippe auf „Kaufen” und gib entweder eine Stückzahl oder einen Eurobetrag ein, zum Beispiel 400 Euro.
- Handelsplatz prüfen: Bei Neo-Brokern läuft der Handel oft über Plätze wie Gettex oder Lang & Schwarz, an klassischen Börsen über Xetra. Der Handelsplatz beeinflusst Spread und Handelszeiten.
- Order-Art wählen: Eine Market-Order wird sofort zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt. Eine Limit-Order legt einen Höchstpreis fest, den du zu zahlen bereit bist. Für den Anfang ist eine Limit-Order knapp über dem aktuellen Briefkurs sinnvoll, so vermeidest du böse Überraschungen, falls der Kurs gerade springt.
- Prüfen und kaufen: Kontrolliere ETF, Betrag, Handelsplatz und die angezeigten Kosten, dann bestätige.
Fertig. Mehr ist es nicht. Deine Anteile erscheinen anschließend in deinem Depot.
Was es kostet
Die Ordergebühren unterscheiden sich je Anbieter. Zwei verbreitete Neo-Broker als Beispiele, Stand Juni 2026: Bei Trade Republic fällt 1 Euro Fremdkostenpauschale pro Order an, bei Scalable Capital im kostenlosen Modell rund 0,99 Euro pro Order, im Abo-Modell ab 250 Euro Ordervolumen 0 Euro. ETF-Sparpläne führen beide kostenlos aus. Klassische Direktbanken verlangen für Einzelkäufe oft mehrere Euro bis über 10 Euro. Diese Konditionen ändern sich, prüfe sie im aktuellen Preisverzeichnis des Anbieters.
Was das ausmacht, zeigt deine Test-Order. Annahme: ein einmaliger Kauf über 400 Euro. Bei 1 Euro Gebühr zahlst du 0,25 Prozent, bei 10 Euro schon 2,5 Prozent deines Anlagebetrags. Gerade bei kleinen Summen fallen Ordergebühren prozentual stark ins Gewicht, das hast du bei den Sparplankosten schon gesehen. Eine höhere Gebühr bedeutet dabei keine bessere Ausführung.
Typische Fehler beim ersten Kauf
- Zur falschen Zeit mit Market-Order kaufen. Außerhalb der Handelszeiten des Heimatmarkts ist der Spread groß. Eine Limit-Order schützt dich davor.
- Den falschen ETF erwischen. Ähnliche Namen führen leicht in die Irre. Die ISIN ist eindeutig, nutze sie zur Kontrolle.
- Ausschüttend und thesaurierend verwechseln. Beides ist in Ordnung, aber entscheide bewusst, ob du Ausschüttungen willst oder automatisches Wiederanlegen.
- Nach dem Kauf nervös werden. Schon am ersten Tag schwankt der Kurs. Das ist normal und kein Grund, etwas zu tun.
Deine Aufgabe
Mach einen Trockenlauf, ohne zu kaufen. Such dir einen ETF aus der Tabelle aus und finde ihn über seine ISIN in einer Broker-App oder auf einer Info-Seite. Schau dir an, über welche Handelsplätze er handelbar ist und wie groß der Spread gerade ist, also der Abstand zwischen An- und Verkaufskurs.
Geh dann die fünf Schritte der Order-Maske gedanklich durch, bis zur letzten Bestätigung, die du diesmal noch nicht antippst. Wenn du diesen Ablauf einmal ohne Druck durchgespielt hast, verliert der echte Kauf seinen Schrecken.
Geschafft
Damit hast du nicht nur den Basis-Pfad abgeschlossen, sondern auch den konkreten Weg vom Wissen zur Tat vor dir. Du weißt jetzt, dass die technischen Schritte überschaubar sind: Depot in Minuten eröffnen, Geld überweisen, ETF über die ISIN finden, Limit-Order eingeben, fertig.
Wenn du tiefer einsteigen willst, baut der Aufbau-Pfad auf diesem Fundament auf, mit Portfolio, Kennzahlen und weiteren Anlageklassen. Einen Überblick über alle Lernpfade findest du auf der Startseite der Finanzbildung. Und falls du dir bei Anbietern unsicher bist, hilft dir die Lektion Depot und Broker mit klaren Kriterien.
Teste dein Verständnis
4 Fragen. Wähle jeweils eine Antwort, danach erscheint die Erklärung. Dein Ergebnis wird nur in deinem Browser gespeichert.
Frage 1: Anna will einmalig 400 Euro in einen ETF investieren, um den Ablauf auszuprobieren. Was ist ein sinnvoller erster Schritt in der Order-Maske?
Die ISIN oder WKN findet den richtigen ETF eindeutig, und eine Limit-Order begrenzt den Preis, den du höchstens zahlst. Den gesamten Kontostand auf einmal oder das Warten auf garantiert steigende Kurse sind dagegen keine guten Ideen.
Frage 2: Warum kann es bei einem ETF auf US-Aktien sinnvoll sein, zwischen 15:30 und 22:00 Uhr zu handeln?
Wenn der zugrunde liegende Markt geöffnet ist, können Market Maker enger handeln, der Spread ist dann meist kleiner. Ein Handelsverbot zu anderen Zeiten gibt es nicht, und eine feste Kursrichtung am Abend auch nicht.
Frage 3: Was ist der Unterschied zwischen einer ausschüttenden und einer thesaurierenden Variante desselben ETFs?
Beide Varianten bilden denselben Index ab und tragen dasselbe Marktrisiko. Sie unterscheiden sich nur darin, ob die Erträge ausgezahlt oder automatisch reinvestiert werden.
Frage 4: Ein Anbieter verlangt 1 Euro pro Order, ein anderer rund 10 Euro. Wie stark wirkt sich das auf eine einmalige 400-Euro-Order aus?
1 Euro auf 400 Euro sind 0,25 Prozent, 10 Euro sind 2,5 Prozent. Gerade bei kleinen Beträgen fallen Ordergebühren prozentual stark ins Gewicht. Eine höhere Gebühr bedeutet keine bessere Ausführung.